Anett Röder holt zum zweiten Mal den Titel!

Bericht zur DM-RS 2015 von Stefan Hummel

Ausrichter der diesjährigen Deutschen Meisterschaft IPO  für Riesenschnauzer vom 4.09. – 6.09.15 war die Landesgruppe Brandenburg,  Ortsgruppe Niederlausitz.

Sedlitz ist ein Stadtteil von Senftenberg und gehört zum Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Der Braunkohlebergbau  in der Region Senftenberg  war die Energiezentrale in der DDR. Heutzutage hat auch hier ein Strukturwandel stattgefunden mit Tourismus,  Bildungswesen und Forschung.

Der Hundeplatz des GHSV Sedlitz und der Sportplatz des SV Blau Weiß 90 Sedlitz lagen in unmittelbarer Nähe mit kurzen Laufwegen. Für Wohnmobile und Wohnwägen gab es mehr als genug Platz für Hundeführer und Schlachtenbummler. Viele fleißige Helfer der Ortsgruppe Niederlausitz und der Landesgruppe Brandenburg kümmerten sich um einen reibungslosen Ablauf dieser Meisterschaft. Bei den Toiletten gab es zwar ab und an kleinere Engpässe, aber mit ein wenig Durchhaltevermögen konnte auch diese Hürde bewältigt werden.

Mit 25 gemeldeten Hundeführern hat sich leider der Abwärtstrend der Teilnehmerzahl seit 2011 weiter fortgesetzt. Die Gründe dafür sind vielschichtig – der  Rückgang im IPO - Sport allgemein, der zum Teil weite Anreiseweg  sowie die mangelnde Wertigkeit der Deutschen Meisterschaft des PSK  für den einen oder anderen Hundeführer. Ein Teilnehmer musste krankheitsbedingt noch kurzfristig absagen.

Am Freitag fand wie in gewohnter Weise das „offizielle“ Training nach Trainingszeitplan statt, einige Hundeführer verzichteten aber auf diese Möglichkeit auf dem Sportplatz zu trainieren. Nach dem Probeschutzdienst und der Veterinärkontrolle fand im Festzelt die Auslosung statt. Gelost wurden jeweils 12 Starter für einen Wettkampftag.  Leistungsrichter in Abteilung A (Fährte) Heinz Böskens aus der Landesgruppe Rheinland ,  Leistungsrichterin Renate Hummel in  Abteilung B (Unterordnung) aus der Landesgruppe Rheinland- Pfalz/ Saar sowie Joachim Heimburger für Abteilung C (Schutzdienst) aus der Landesgruppe Thüringen bildeten das Richterteam auf dem Sportplatz.

Bei sonnigen aber windigen Wetter starteten um 9:00 die ersten zwei Teilnehmer  in der Unterordnung.  Janine Klatt mit Ihrem Poldi vom Dammkrug zeigte eine sichere, gefällige Unterordnung und wurde als erste Starterin dafür mit 90 Punkten belohnt.  Gestartet wurde in 4er Gruppen, das heißt 4 Unterordnungen und nachfolgend 4 Schutzdienste.  Aufgrund der kühlen Witterung war die Zeit der Erholung für den Hund nach der Unterordnung daher kein Problem. Jennifer Hüffer mit Ihrer Hündin Cuba von Schill präsentierte in bekannter Weise eine technisch saubere und triebstarke Unterordnung. Lediglichin der Freifolgte wirkte die Hündin etwas hüpfend übermotiviert war aber stets in korrekter Position. Der größte Punkteabzug erfolgte in der Ablage, da  die Hündin  vorzeitig den Ablageplatz verließ!  Den Schutzdienst konnte das Team leider nicht erfolgreich abschließen – Disqualifikation in Teil 2,  da die Hündin nicht mehr trennte!

Weitere Überraschungen gab es in der zweiten  4er Gruppe. Dennis Bernsee war ein „gehandelter“ Mitfavorit für den Titel und startete auch mit einer soliden Unterordnung. Der nachfolgende Schutzdienst war ohne größere Fehler oder Mängel. Nach dem letzten Seitentransport und  Übergabe des Stocks im zweiten Teil entfernte sich Dennis mit Bodo von Helfer und Richter zwei Schritte und griff Bodo reflexartig  ins Halsband, da er zum Helfer wollte  –  Disqualifikation!

Auch Heron vom Lindelbrunn konnte den Schutzdienst nicht erfolgreich abschließen. Heron zeigte wuchtige und energische Griffe, was später auch Andreas Klarl – Helfer im Teil 2 -  besonders hervorhob.  Für ihn war Heron der Hund der ihn am meisten beeindruckte.  Leider war Heron in der letzten Beißhandlung nicht mehr  gewollt den Ärmel loszulassen,  auch hier erfolgte Disqualifikation.  Zum ersten Mal auf einer PSK DM startete Svenja Klems mit Quanta von Elberfeld.  Die Hündin hatte am diesem Tag Ihren fünften Geburtstag, vielleicht war dies der Grund für eine trieblich sehr hohe aber oft etwas übermotivierte und „laute“ Unterordnung. Viele Kleinigkeiten summierten sich und führten zu Punktabzügen,  besonders die Vorausübung verhinderte eine hohe Punktzahl  –  Quanta kam zur Hundeführerin zurück  und benötigte ein zweites Hörzeichen für das Platz. Im Schutzdienst konnte das Team aber wieder Punkte gut machen.  Sven Wagner -  Helfer im Teil 1  – war besonders von dieser Hündin im Schutzdienst begeistert.  Schutzdienstrichter Heimburger vergab verdiente 96 Punkte – vorzüglich. Es sollte auch das einzige Vorzüglich im Schutzdienst an diesem Wochenende bleiben.  Eine weitere Elberfeld - Hündin präsentierte die erfahrene Hundeführerin Martina Moormann.  Nach einer  sehr guten Unterordnung  war der Schutzdienst aber leider von einem kapitalen Fehler der Hündin geprägt. Bei der kurzen Flucht sprang Lara zwar druckvoll aber viel zu früh ab und landete ohne Anbiss im Rücken des Helfers.  Obwohl die Hündin schnell um den Helfer rannte,  stand dieser schon  und es war kein weiterer Anbiss mehr möglich – Abbruch.

Das höchste Fährtenergebnis mit 94 Punkten am Samstag war für viele überraschend – ein Hinweis auf ein anspruchsvolles Fährtengelände.  Fährtenrichter Heinz Böskens hatte dies auch nach der Veranstaltung bestätigt.  Der böige Wind tat sein Übriges noch dazu!

Am Samstagabend stand der traditionelle Hundeführerabend auf dem Programm.  Leider startete die Disco -  Musik direkt nach dem Spanferkel Essen mit entsprechender Lautstärke. Eine gemütliche Unterhaltung am Tisch war so unmöglich geworden. Aber wie so oft – die Geschmäcker und das Hörvermögen sind unterschiedlich und man kann es nicht jedem Recht machen.

Die Wettervorhersage für Sonntag war nicht für „Sonnenanbeter“ gemacht.  Ein noch stärkerer Wind mit kräftigen Regenschauern prägte den zweiten Wettkampftag.  In der zweiten UO - Gruppe startete Matthias Müller mit seinem Jarvis von Blackmoore bei strömenden Regen in der Unterordnung.  Es waren keine einfachen Verhältnisse aber das Team erreichte mit 92 Punkten eine sehr gute Bewertung.  Auch den Schutzdienst konnten beide mit 92 Punkten überzeugend abschließen.  Die 91 Punkte in der Fährte vom Vortag führten zu einem gleichmäßig guten Ergebnis in allen drei Sparten. Mit gutem Vorsprung konnten sich die beiden den dritten Platz auf dem Siegerpodest sichern.  Freud  und Leid liegen manchmal eng beieinander. Fassungslos erfuhren wir am Montag vom plötzlichen Tod von Jarvis!

Eva Löhden führte mit Matthias Müller zusammen in der Unterordnung.  Sie hatte sich als zweite Chance über den Länderpokal qualifiziert - eine Neuerung im Reglement zur Berechtigung  der Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft.  Eine weitere Besonderheit bei Eva war die Tatsache, dass Sie erst am Freitag nach einer OP aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Die Frauen sind wohl doch das „starke Geschlecht“.  Die Nachwuchshündin „Eine wie Keine vom Schwedenspeicher“,  jüngster Hund der Veranstaltung,  zeigte eine temperamentvolle Unterordnung.  Größter Fehler war der mangelnde Vorsitz beim Abrufen aus der Platzübung. Im Schutzdienst konnte sich die Hündin nochmals steigern und das Team erreichte mit 270 Gesamtpunkten den 5. Platz.

Nach und nach kamen jetzt die ersten Ergebnisse aus dem Fährtengelände. Svenja Klems hatten mit 98 Punkten trotz schlechteren Wetters zum Vortag das beste Ergebnis am Sonntag sowie der gesamten Meisterschaft erzielt.

In der letzten 4er Gruppe startete auch die Vorjahrssiegerin Anett Röder mit Ihrem 4 ½ jährigen Rüden Scharly con todos-los-santos.  Mit 94 Punkten aus der Fährte waren alle Besucher gespannt auf die Unterordnung und den Schutzdienst.  Anett strahlte als Hundeführerin eine souveräne Ruhe aus.  Mit 94 Punkten erreichte das Team aus Sachsen das höchste Ergebnis in der Unterordnung. Somit musste der Schutzdienst über die Platzierung entscheiden.  Svenja Klems hatte mit Ihrer Quanta vom Elberfeld ein vorzügliches  Schutzdienstergebnis erzielt und das Team lag nun schon sicher auf dem 2. Platz.  Scharly revierte die Verstecke schnell und eng,  Stellen und Verbellen war auch ohne Beanstandung. Kleinigkeiten im Griffverhalten sowie in der Führigkeit führten zu 93 Punkten im Schutzdienst. Somit stand das Gesamtergebnis der  Vorjahrssiegerin  fest  –  281 Punkte und somit zum zweiten Mal in Folge Deutsche Meisterin im PSK.

Als letzter Starter zeigte Ali Litim mit seiner noch heißen Hündin Ghadidja von Elberfeld eine weitere sehr gute und harmonische Unterordnung.  Die Apportierübungen der Hündin waren überzeugend  mit gutem Vorsitz und ruhigem Halten des Holzes, lediglich etwas druckvoller hätte sie noch agieren können!

Insgesamt nahmen 16 Rüden und 8 Hündinnen an der Meisterschaft teil – über die Hälfte waren weibliche Hundeführerinnen und davon waren 7 unter den Top 10! Dieser Trend ist aber nichts Neues im modernen IPO - Sport.  Auffällig  hoch jedoch war dieses Jahr die Rate der Disqualifikationen und Abbrüche.

Ob der Veranstalter auch das  gut organisiert hatte, wissen wir nicht mit Bestimmtheit –  auf jeden Fall war zur Siegerehrung der Himmel aufgerissen und strahlender Sonnenschein begleitete die Hundeführer/innen  beim Einmarsch auf den Sportplatz zur Siegerehrung.  Es ist immer wieder beeindruckend so viele „Riesen“ mit Ihren Hundeführern zu erleben.  Ernst Theisen, 1.Vorsitzender des PSK dankte stellvertretend dem Organisator Bernd Lehmann für diese gelungene Meisterschaft  und  wünschte Allen einen guten Nachhauseweg in Vorfreude auf die nächste Meisterschaft!